Viele österreichische Betriebe haben in den vergangenen Jahren ihre Geschäftsstrategie verstärkt in Richtung Autoindustrie erweitert oder umgestellt. In Zeiten boomender Absatzzahlen war das eine sehr gute Idee, denn grosse Teile der europäischen Kfz-Fertigung ist in und um Österreich angesiedelt, teils durch die Konzernzentralen, teils durch Produktionsstätten. Nun trifft die Krise aber diesen Industriezweig besonders hart. Für die Zulieferer drohen schwierige Zeiten.
Vier in Österreich produzierende Börsenotierte haben zum Teil nennenswerte Geschäftsanteile mit GM/Opel. Am stärksten betroffen ist die austro-kanadische Magna International. Vorrangig für den heimischen Kapitalmarkt sind jedoch
voestalpine,
Eybl und
Polytec, die allesamt Teile für das Innen- oder Aussenleben diverser Opel-Modelle liefern.
Vier Bundesländer
Sollte es zu weiteren Problemen bei Opel kommen, oder zu groben Restrukturierungen, Kapazitätskürzungen, etc., wären in Österreich hunderte Arbeitsplätze in zumindest vier Bundesländern betroffen. Das GM-Werk in
Wien Aspern - von dort gehen 90% der Produktion an Opel - hat bereits die Weihnachtsferien verlängert. Weiters gibt es Produktionen in Niederösterreich (Eybl), Oberösterreich (voestalpine, Polytec) und in der
Steiermark (Magna).
Bei den anderen Zulieferern sind in den kommenden Monaten weitere Kapazitätsanpassungen zu befürchten, denn Opel ist momentan nur die Spitze des Eisbergs. Allerdings gibt es von den genannten
Unternehmen keine Angaben zu Kunden. "Wir ersuchen um Verständnis. Unser Vertrieb verhandelt laufend mit denen, da können wir zu einem Einzelkunden nichts sagen", liess ein IR-Verantwortlicher wissen.
EU für Unterstützung
Inzwischen hat
EU-Industriekommissar Günter Verheugen die Zustimmung der EU-Kommission zu den diskutierten Staatsbürgschaften Deutschlands für den Opel signalisiert. "Ich würde es begrüssen, wenn alles unternommen wird, um zu verhindern, dass ein wichtiger, traditionsreicher Automobilhersteller aus Gründen, die er nicht zu verantworten hat, aus dem Wettbewerb ausscheidet", so Verheugen. Die heimischen Zulieferer müssen aber jedenfalls Produktions- und vielleicht Preiskürzungen fürchten. (nes)
Aus dem Börse Express vom 18. November 2008