|
|
henri chinaski
|
Pressespiegel2009-01-07 01:06:57
|
224 Postings
seit 2008-10-09
|
"Wirtschaftsblatt" Nr. 3272/09 vom 07.01.2009 Seite: 10
Ressort: Meinungen und Idee
Manfred Biegler
Gastkommentar
2009 - Lehren aus Finanzkrisen und deren Irrlichter...
Über Ersteres wurde zuletzt viel geschrieben. Letzeres hat viele Facetten. Ganz allgemein ist feststellbar, dass vielfach der Eindruck vermittelt wird, es handle sich bei den aktuellen Sanierungsfällen im Finanz- und Immobilienbereich weitestgehend um die Auswirkung fremdbestimmter Einflüsse wie unregulierte Märkte, Spielarten eines "Neoliberalismus" und anderer, Ordnungsrahmen sukzessive außer Kraft setzender Mechanismen; zuletzt wurde in einem Beitrag die "Renaissance des rheinischen Kapitalismus" bemüht (WB vom 29.12.2008,
11).
Tatsächlich lassen sich aber die "Opfer" der jüngsten Finanzkrise auf Aktivitätsradien der betroffenen Marktteilnehmer selbst zurückführen, die durchaus innerhalb eines vorgegebenen Ordnungsrahmens passierten. So gesehen mangelt es weit weniger am "rechtlichen Orientierungsrahmen", als vielmehr am grundsätzlichen (System-) Willen, die Möglichkeiten dieses "Orientierungsrahmens" (Finanzmarktaufsicht, Finanzministerium, Abgabenbehörden etc.) auch zu nützen.
Alle großen Finanzskandale der vergangenen Jahre (und auch jene, die bereits heute als solche untersuchungsgegenständlich sind) weisen ähnliche - wenn auch unterschiedlich stark ausgeprägte - Erscheinungs- und Prozessverläufe auf (die absolut nichts mit exogenen Einflüssen zu tun haben) und lassen sich vereinfachend auf folgendes, zehn Punkte umfassendes, Grundablaufmuster reduzieren:
* Schaffung signifikanter Macht- und Kontrollbereiche durch einige wenige (personelle Beherrschungsverhältnisse);
* weitestgehende Ausschaltung von internen Revisionsmechanismen;
* Etablierung komplexer, fremdfinanzierter und grenzüberschreitender Unternehmens- und Rechnungskreisstrukturen (im Wesentlichen zur Komplexitätserhöhung, Unterbindung einer konsequenten Strukturverfolgung und Nutzung unterschiedlicher Rechtsordnungen, die eine Schwächung der Unternehmenssubstanz zugunsten einer Vorteilsgenerierung durch die Strukturnutznießer begünstigen);
* Unterhaltung ausgewählter Bank- und Vertriebsbeziehungen bei hoher personeller und/oder sachlicher Verflechtung zwischen Bankvertretern und Unternehmensorganen;
* selektive Auswahl und Testung externer Kontrollinstanzen auf die Struktur (vorzugsweise durch Einbindung "renommierter" Wirtschaftsprüfer, Rechtsberater, Gutachter, Finanzmarktaufsicht etc.);
* Durchführung von Börsengängen zwecks Verbreiterung der Finanzmittelbasis und Ausdehnung des Finanzmittelabflusses zugunsten der Strukturnutznießer durch fragwürdige Dienstleistungen und/oder Veräußerungsvorgänge in Form einer Einschaltung in- und/oder ausländischer Gesellschaftsstrukturen im Einflußbereich der Strukturnutznießer (häufig auch als Treuhandverhältnisse);
* Ersatz des zunehmend fehlenden Ertrages - nicht zuletzt aufgrund der vorangehenden Transaktionsschritte - durch (fiktive) Substanz oder "Verlustauslagerung" (z.B. durch Umgründungen, Eingehen wechselseitiger Beteiligungsverhältnisse oder Erwerb eigener Anteile, Überbewertung oder Schaffung fiktiver Aktiva, Ausnützung von Bewertungswahlrechten, Auslagerungen verlustbehafteter Engagements in Privatstiftungen etc.);
* Ausweitung der bilanztechnischen Massnahmen (z.B. durch Periodenverschiebungen, rückwirkende Änderung von Verrechnungsgrundlagen, Entfall oder Aktivierung von Aufwandspositionen, Unterlassung von Abschreibungen, keine/unvollständige Bilanzerläuterungen etc.);
* Übergang zu transaktionserhöhenden (Schein-)Umsätzen zwecks Umsatz- und "Ertragsdarstellung" sowie Schaffung von Finanzierungshüllen zwischen nahestehenden Gesellschaften, die bisweilen im Insolvenzstadium zu substanzlosen "Verrechnungsrädern" degenerieren;
* Setzung von Kapitalerhöhungsmaßnahmen als ausschließlich systemerhaltende Liquiditätsmaßnahme (mangels kapitalmarktseitiger Platzierung häufig in erneuter Verbindung mit "Verrechnungsrädern" über Gesellschaften/Fonds zum Erwerb eigener Anteile).
Auf welcher Stufe und zu welchen Zeitpunkten sich die Gesamtstruktur zum untersuchungswürdigen "Finanzskandal" oder auch zum "Insolvenfall" ausweitet, bleibt hingegen durchaus interessant, weil nicht nachvollziehbar.
So bleibt unklar, weshalb der Fall "Immofinanz" seine "Öffentlichkeitskurve" erst nach dem Fall "MEL" erlebt und andere Immobiliengesellschaftsgruppen bei praktisch identem "Geschäftsmodell" noch gar nicht untersucht wurden (obwohl es auch hier bereits diverse Anzeigen bei staatlichen Aufsichtsbehörden gab).
Die Finanzmarktaufsicht darf somit 2009 einmal mehr ihren Aktionsradius überprüfen. Die diesbezüglichen Anlegerhoffnungen in die Finanzmarktaufsicht dürfen dabei angesichts der letzten Gesetzesnovelle nicht wirklich hoch angesetzt werden, während die Erfolgschancen eines Anlegers sich bei aufsichtsrechtlichen Fehlern der Republik regressieren zu können, ab heuer gegen null tendieren.
Bild: Große Finanzskandale ähneln einander, ein Zehn-Punkte-Ablaufmuster kann als Leuchtturm gegen Irrlichter dienen
Bild: manfred Biegler Gutachter in Anlagebetrugsfällen wie etwa bei AMIS
|
henri chinaski
224 Postings
seit 2008-10-09
|
Re(1): Pressespiegel2009-01-07 01:08:37
(...) So bleibt unklar, weshalb der Fall "Immofinanz" seine "Öffentlichkeitskurve" erst nach dem Fall "MEL" erlebt und andere Immobiliengesellschaftsgruppen bei praktisch identem "Geschäftsmodell" noch gar nicht untersucht wurden (obwohl es auch hier bereits diverse Anzeigen bei staatlichen Aufsichtsbehörden gab).
na das wird ja noch heiter ...
|
Nummer 16
|
Frage zu Nachbörsenkurs !!2009-01-07 00:17:45
|
348 Postings
seit 2008-01-16
|
http://up2trade.com/kurse/markt_oesterreich.php
Wie kann mann solche Kurse Intepretieren und wie kommt der zustande ?????
Bis Dato alle Kurse grün. Haist das der alle Kurse fangen positive Kurssteigend an oder was ???
Danke im Voraus !!!
|
henri chinaski
224 Postings
seit 2008-10-09
|
Re(1): Frage zu Nachbörsenkurs !!2009-01-07 00:59:30
die wiener börse muss keineswegs die kürse des außerbörslichen handels nachbilden, aber eine gewisse tendenz kann man mMn schon rauslesen, z.B wenn bei der IIA jetzt bid/ask 45/74 stehen, dann liegt der mittelwert bei 59,5 und der eröffnungskurs wird nicht so weit von 59/60 entfernt sein. und insgesamt wird zumindest die morgenauktion wohl im grünen bereich verlaufen.
|
Profil
|
Baumax2009-01-06 14:44:19
|
175 Postings
seit 2008-02-03
|
Mit der "Immofinanz"-Aktie verhält es sich wie mit der bekannten "Baumax"-Werbung:
"Großer Wert und kleiner Preis" = Zitat Mag. Gertner, ehemals Vorstand bei IIA/IEA.
Man kann nur hoffen, daß nach den Feiertagen die Arbeit bei der Staatsanwaltschaft
wieder aufgenommen wird.....und viele betro... Kleinanleger zu ihrem Recht kommen!
|
xsi
|
Hilfe bei Orderbuch2009-01-06 14:30:24
|
2 Postings
seit 2009-01-06
|
Hallo Zusammen, ich verfolge schon seit längerem eure Kommentare. Aufgrund mancher Kommentare eurerseits habe ich mich entschlossen ein wenig in IIA Aktien zu investieren. Bin bis jetzt gut gefahren:-) ändert natürlich nichts daran dass ich in Summe aller Aktieninvestitionen gewaltig im Minus bin. Ich hätte eine Bitte: Könnte mir wer in kurzen verständlichen Worten erklären wie man ein OB korrekt liest.Ist es entscheidend ob mehr Volumen auf der Bid- oder auf der Ask Seite damit der Kurs eventuell steigt? Mir ist schon klar dass es keine fixen Regeln gibt aber Tendenzen lassen sich schon erkennen,oder? Danke
|
Karnataka
155 Postings
seit 2007-08-26
|
Re(1): Hilfe bei Orderbuch2009-01-06 15:21:00
aus meiner Sicht:
lässt sich aus dem OB gut erkennen, wohin ich ein Kauf- oder Verkaufsangebot platziere, damit es gute Chancen hat, erfüllt zu werden.
eine mittelfristige Kursentwicklung lässt sich jedoch nicht ablesen (wär auch zu schön!) Wie viel "Unterstützung" tatsächlich da ist, sieht man ja doch nicht.
|
nurmut
671 Postings
seit 2007-10-22
|
Re(1): Hilfe bei Orderbuch2009-01-06 15:34:08
Eine höfliche Frage erfordert eine Antwort
Ein Orderbuch zeigt die als Order aufgegebenen Mengen mit ihren Kursen.
bid-Seite: Kaufwünsche
ask-Seite: Verkaufswünsche
das sieht zB so aus:
bid:
10.000 2,30
5.500 2,29
16.000 2,28
30.000 2,27
45.000 2,26
ask:
2.000 2,31
3.000 2,32
1.000 2,33
9.000 2,34
9.000 2,35
Zu diesem Zeitpunkt kommt kein Verkauf zu Stande, da der teuerste Einkäufer 2,30 haben will, während der teuerste Käufer ja 2,31 erhalten möchte.
Jetzt können -je nach Geduld- die Käufer oder die Verkäufer nachgeben, indem sie ihre Order eben ändern. Oder es kommt eine neue Order, zB Verkauf 2000 Stk zu 2,30 . In diesem Fall geht das von den 10.000 bid zu 2,30 ab.
Kommt dann eine Order Verkauf 20.000 zu Limit 2,27, verkauft der "ins bid hinein" und kriegt die restl. 8000 zu 2,30, weitere 5.500 zu 2,29 und 6.500 zu 2,28.
In der Folge werden wohl die anderen Verkäufer nachziehen und ihre Wünsche reduzieren.
Umgekehrt geht das nartürlich auch: Man kauft "ins ask hinein".
Durch das Orderbuch kann man auf diese Art leicht feststellen, welche Mengen man bis zu welchen Limits kriegen oder verkaufen kann.
Die Daten ändern sich allerdings recht rasch, oft schon nach wenigen Sekunden, je nach Umsatzmenge in einer Aktie.
Dass jetzt die besten bids und besten asks dargestellt werden, das heisst nun aber lange noch nicht, dass nicht mehr gekauft oder mehr verkauft werden will.
Wenn jemand im obigen Fall 100.000 verkaufen will, wird er diese nicht auf einmal einstellen, sondern nur "zizerlweise". Das nennt man dann "Eisberg", weil von dem ja auch der größte Teil unsichtbar, da unter Wasser, ist.
Andererseits wird manchmal auch zur Abwehr von Zockerangriffen eine Riesenmege mit einem eher abseitigen Kurs eingestellt:
Würde man zB oben 100.000 Stk einstellen Kauf zu 2,25 so hieße das "Hallo, ihr braucht da gar nicht die Kursdrücker zu spielen, hier ist eine erhebliche Unterstützung!!" (umgekehrt: ein Widerstand). Solche Orders werden aber auch wieder oft zurückgezogen, wenn es dem Auftraggeber mehr auf die Signalwirkung ankommt als auf echten Handel.
Bei den meisten Orderbüchern ist neben der Menge auch zu ersehen, aus wieviel Aufträgen dieses Kursangebot besteht. Kauft/verkauft man größere Mengen, so wird die Erfüllung ev. aus mehreren (bis sogar vielen) Orders erfolgen. Da ist wichtig zu wissen, ob dein Broker für Teilausführungen Fixkosten verrechnet (die meisten tun es nicht). Wenn schon, kann das ganz schön ins Geld gehen, bsd. wenn dir Kleinstmengen zugeteilt werden.
|
Karnataka
155 Postings
seit 2007-08-26
|

Re(2): Hilfe bei Orderbuch2009-01-06 16:22:52
Hoffe nicht, dass ein "österreichischer" Broker für die Wiener Börse Teilausführungen berechnet.
ich vermute, dass der Spielraum, in dem gehandelt werden soll, durch größere Mengen nach unten und oben fortwährend eingegrenzt werden muss, wohl von der AG selbst. Anders ginge es nicht. Eigentlich sind es sodann im Normalfall diese Eingrenzungen, die wandern: je nach Gesamtmarkt oder Kauf/Verkaufs-Druck oder Strategie der AG.
Oder?
|
Wendigo
106 Postings
seit 2008-12-11
|
|
Skeptiker
1328 Postings
seit 2007-10-23
|
|
bixi
1479 Postings
seit 2007-02-23
|
|
nurmut
671 Postings
seit 2007-10-22
|
|
Karnataka
155 Postings
seit 2007-08-26
|
|
xsi
2 Postings
seit 2009-01-06
|

Re(2): Hilfe bei Orderbuch2009-01-06 17:54:35
@nurmut
Danke für die detailierte und verständliche Erklärung.
Meint ihr mit der Mengeneingrenzung dass dadurch eventuell einer VolaUnterrechnung vorgebeugt werden soll?
|
Skeptiker
1328 Postings
seit 2007-10-23
|
|
nurmut
671 Postings
seit 2007-10-22
|
|